zuhause

#meinkleinespuppenhaus



Als ich in meine Wohnung gezogen bin habe ich mir viele Gedanken darum gemacht, was ich mit dieser Wohnung machen möchte. Ich habe in mein Gebetsbuch damals geschrieben dass es ein Zuhause für andere sein soll.

Hier habe ich auch darüber geschrieben.
 
Ich wohne jetzt seit 2 Jahren in dieser Wohnung und alle meine Wünsche sind in Erfüllung gegangen, ja sogar weit über meine Vorstellungskraft hinaus.
Jesus hat gesegnet was ich mir vorgenommen habe und noch ein drauf gepackt.
Vor allem hat er mich mit Nachbarn gesegnet, die kein Problem damit haben, das ständig Teens bei ihnen klingeln, die in meine Wohnung wollen wenn ich nicht da bin. Jeder der meine Wohngeschichte kennt, weiß, wie mega dankbar ich für entspannte Nachbarn und Vermieter bin.

Letztens war ich den ganzen Abend weg und als ich spät nach Hause kam, aus dem Auto stieg und mein beleuchtetes Klofenster sah (mal wieder vergessen das Licht auszumachen), freute ich mich so sehr auf meine Wohnung dass ich Herzrasen und Gänsehaut bekam und da wusste ich – ich bin zuhause.

Ich bin sowas von zuhause. 

Ich habe erwartet dass ich meine Wohnung lieben werde. Aber nicht, dass ich mich so endgültig zuhause fühlen werde wie ich es heute tu. Mein Ordnungs- und Sauberkeitsstandard ist weit hinter dem Russlanddeutschen-Standard, aber es ist genau der Standard, der die Zeit, die ich maximal in meinen Haushalt investieren möchte und die Zeit, die ich zusammen mit einer Vollzeitstelle für andere Dinge haben möchte, perfekt vereint.
Wohnen ist eine Tätigkeit.
Ein zuhause kommt nicht mit einer schönen Einrichtung daher. Auch „persönliche Gegenstände“ geben einem nicht sofort das Gefühl von Heimat (übrigens, das Wort Heimat gibt es nicht in allen Sprachen).

Andere Leute können sich in meiner Wohnung nur maximal so wohl fühlen, wie ich es selbst tu.

Diese Erkenntnis hat mich echt getroffen. Wenn ich Gastgeberin bin, geht es gar nicht darum, viel aufzutischen und meinem Gast ein schönes Umfeld zu schaffen. Ich muss mich einfach selber wohl fühlen und dann tut mein Gast es automatisch auch, ja der kann da gar nichts mehr gegen tun.






Ich werd hier viel über meine Art der Gastfreundschaft schreiben und muss von vorne herein sagen, dass es hier nicht um meine Geschwister oder (gleichaltrigen) Freunde geht. Die Beziehung zu ihnen ist eine ganz andere. Hier geht es um Gastfreundschaft gegenüber denen, bei denen ich eher die Rolle der Verantwortungsträgerin habe. Darin teste ich mich erst seit zwei Jahre und wollte hier ein wenig darüber schreiben.

Meine Gäste nehmen an meinem Leben teil. 

Sie hören die Musik die ich höre und nehmen nur das zu sich, was auch ich zu mir nehmen würde. Bei mir gibt es nur Leitungswasser und Heißgetränke zu trinken (ich weigere mich, Flaschen zu kaufen) und Süßigkeiten hab ich auch nur selten da. Wenn ich mal einen ganz guten Tag habe, mache ich eine Kanne Tee oder eine Kanne mit kaltem Wasser und gefrorenen Beeren oder Krümmeltee. Zu Essen gibt es ausschließlich das was ich mag und nur so viel wie eben da ist und ich frage nie nach einer zweiten Meinung. Alle Teens und Nichten und Neffen haben bei mir endlos Zwiebel zu essen und sie haben sich noch nie beschwert. All mein Geschirr und meine Lebensmittel stehe offen rum und jeder kann sich bedienen (nachdem er dran gerochen hat).
Ich gehe schlafen wenn ich es möchte, stopfe meine Ohropax rein und der Rest kann tun was immer er möchte.  
Außer die Kinder, die bekommen die Füße mit Lavendelöl eingerieben und müssen schlafen.


 Ich bin entspannt.

Ich fahre zur Arbeit, lasse meinen Besuch schlafen und - das musste ich lernen - mache mir auf der Arbeit keine Sorgen. Kein Stück. Ganz im Gegenteil, ich freue mich.
Ich freue mich darüber, dass auch die Teens nicht einmal das Gefühl haben, mir mitteilen zu müssen wann sie aufstehen, frühstücken, Leute einladen oder nach Hause gehen.
Ich komme nach Hause und weiß, egal was mich erwartet, es ist gut. Entweder die Wohnung ist leer und aufgeräumt, oder da sitzen noch Teens in ihren Schlafsachen. Egal wie es kommt, es ist gut.


Mein Leben macht keine Pause wenn sie da sind.

Ich mache mit allem weiter, was ich tun würde, wenn sie nicht da wären. Ich bin alleinstehend - also würde ich ganz viel chillen, lesen, was gucken (was ich Gott sei Dank nicht tu wenn sie da sind, da gibt es sinnvolleres), raus gehen - und da machen die dann halt mit :D



Wenn du dich bei deiner Freundin wohl fühlen möchtest, spül ihr Geschirr. 

Ich bin der festen Überzeugung, dass man sich woanders erst zuhause fühlen kann, wenn man mitmacht. Genau so rum.
Erst wenn man mitmacht kann man sich wohl fühlen.
Am Anfang habe ich die Teens gebeten, irgendwas im Haushalt zu machen. Nicht weil ich Hilfe brauche, sondern weil ich faul bin.
Scherz - weil ich ganz genau weiß wie unsere Psyche in diesem Punkt tickt.
(Und weil ich, gerade am Anfang mit Krüppelfuß auch Hilfe brauchte, ein paar von ihnen haben meine Wohnung gestrichen)




Es kommt des Öfteren vor dass ich im Wohnzimmer chille und plötzlich höre, wie irgendwas in der Küche brutzelt oder jemand anfängt zu saugen. Und ich liebe es. Weil ich weiß dass sie sich nicht nur an eine schöne Zeit erinnern werden, sondern weil sie sich daran erinnern werden, dass sie sich zuhause gefühlt haben. Und diese Zeit, in der man sich wo anders als „zuhause“ zuhause fühlt, ist sehr prägend und wirkt sich extrem auf die eigene Selbstsicherheit aus. So habe ich es selbst erlebt und so will ich es weiter geben.




Als diese Kinder im Bild einmal bei mir übernachtete, wachte ich Sonntag morgens auf und als ich aus meinem Zimmer kam hatten sie sich die Zähne geputzt, sich angezogen, die Betten gemacht, ihre Sachen gepackt, Frühstückstisch gedeckt und waren dabei, die Spülmaschine auszuleeren. Da soll noch mal jemand sagen dass Kinder anstrengend sind - ich glaube keiner Mutter mehr. (Ironie, natürlich glaube ich euch)



Ich muss sagen dass ich am Anfang dachte, dass meine Art von Gastfreundlichkeit auf Kosten meines eigenen „zuhause-Gefühls“ gehen würde (weil der Staubsauger wo anders steht, ich würgen muss weil ein Lappen im Waschbecken liegt, es morgens wenn ich aufstehe anders aussieht als abends, als ich schlafen ging,...).
Aber überhaupt nicht. Kein Stück.

Ich fühle mich in meiner Wohnung so sehr zuhause wie man sich nur zuhause fühlen kann.
Das ist ein Geschenk von Gott.

Und wer wäre ich, das für mich zu behalten.






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