Ich bin so gerne erwachsen

10.1.17



„Ich bin xx Jahre, fühle mich aber noch wie 16.“
Ist ein Satz, den ich oft höre. Und ich verstehe ihn nicht. Ich bin 25, lese durch meine Gebetsbucheinträge, die ich mit 16 schrieb und kann mit großer Sicherheit sagen: ich fühle mich definitiv nicht mehr wie mit 16. Ich bin 25 und fühle mich auch so. Und ich hoffe dass ich mich mit 40 wie mit 40 fühle, weil es sonst bedeuten würde dass ich mich nicht weiter entwickelt habe.
Erwachsen sein bedeutet ja nicht, etwas besser zu können, sondern erkannt zu haben, wo man besser werden muss und dass man aktiv daran arbeitet.

Ich verbringe sehr viel Zeit mit Teenagern und natürlich habe ich niemals vergessen, wie ich mit 16 dachte aber ich werde niemals auf einer Ebene mit ihnen sein. Und das ist so verdammt gut!

Meine Freundin schrieb mir mal in einem anderen Zusammenhang:
„Kinder haben Leben im Überfluss und schaffen es, unsere festgefahrenen, unbeweglichen Strukturen weich zu schmelzen, bieten uns die Möglichkeit, neu geformt zu werden. von Gott durch sie, wenn wir ihn lassen.
Erwachsene verpassen uns Dämpfer, sind die Realität, lebendig vor Augen geführt. Sie schocken uns mit klarer, kalter Wahrheit. Und bringen Festigkeit und Stärke in den Charakter, den Gott in uns formt.“

Wir brauchen diese Herausforderung, Feuer oder Wasser zu sein und Feuer oder Wasser zu erleben.

Hier geht es um meine Rolle als Wasser. Als Dämpfer, als Wahrheitsaufzeiger, als die, die dem Feuer Festigkeit und Stärke bringt.
Wenn ich mit Teens zusammen bin, bin ich mir dieser Rolle immer Bewusst. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass sie das brauchen - dass sie das wollen. Und dass ich das Feuer brauche - dass ich das will. Wenn wir auch auf komplett unterschiedlichen Ebenen unseres Geistes, unseres Denkens sind. Das schöne ist, dass wir auf unseren Ebenen bleiben können. Sie auf ihren und ich auf meiner und das ist keine Blockade, wie viele denken.

Sie sind nicht dumm. Unerfahrenheit macht nicht dumm, genau so wenig wie Erfahrung ohne Reflektion weise macht. Unreflektierte Erwachsene sind anstrengender als Pubertierende.

Ich erlaube Teenagern, diese Erwartungshaltung an mich zu haben. Dass ich ihnen ein Stückweit zeigen kann, wie es ist, erwachsen zu sein und vor allem – wie man es wird. Als ich mir dieser Verantwortung bewusst wurde, war es erst schwer, ich habe Sätze benutzt wie „Ich weiß nicht ob ich dieser Verantwortung gerecht werde.“, und ich wollte Grenzen abstecken. Mittlerweile sind meine abgesteckten Grenzen nur noch Asche. Und sie fehlen mir nicht. Ich kenne meine Verantwortung und ich liebe sie. Ich bin so gerne erwachsen. Zeige gerne wie ich mich in manchen Bereichen entwickelt habe und wie ich in vielen Bereichen noch dran bin und wie ich das anstelle.
Das Ziel, andere mutig, reif und selbstständig zu machen, hat mich selbst mutig, reif und selbstständig gemacht. Gemacht. Es war genau so rum. Ich glaube dass wir im Lehrprozess am meisten lernen. Jedenfalls dann, wenn das Lehren die Priorität bleibt. Wenn ich nur Zeit mit Teens verbringen würde weil „ich daraus ja so viel ziehe, so viel zurückbekomme“, würde das nicht funktionieren. Das ist ein Nebeneffekt, der nicht mein Ziel ist und von niemandem das Ziel sein sollte.
Ich war gerne 16 und jetzt bin ich gerne 25. Ich war gerne Feuer und jetzt bin ich gerne auch mal Wasser. 

Tatsache ist dass dieser Prozess der mir die Angst vor Verantwortung nehmen sollte an einem Tag begann als ich sagte „Das werde ich niemals schaffen, ich habe damit abgeschlossen.“ (kein Scherz) Und Gott sagte „Was juckt mich was du über deine Eigenschaften denkst. Ich kann es.“ Was ich hier geschrieben habe sind Erkenntnisse von Jahren, in denen ich mich bloß gestellt habe, mich entschuldigen musste, Fehler gemacht habe, die ich nicht mehr gut machen kann. Aber auch die berüchtigten Früchte gesehen habe. 

Sie sind die "Jugend heutzutage".
Zu einem sehr großen Teil von den "Erwachsenen heutzutage" geformt und beeinflusst.

Zeig ihnen,  wie schön es ist, Verantwortung zu tragen.
Wie man sich investieren kann und sich nicht nur um sich drehen muss.
Wie man aus Gnade lebt und nicht aus Selbstverwirklichung.
Wie man lieben kann.

Wir sind alle Vorbilder. Ob wir nun Lehrer, Teenyleiter, Geschwister oder Nachbarn sind. Man kann sich nicht dazu entscheiden, Vorbild zu sein. Man ist es. Jeder. Manche mehr, manche weniger. Manche sind sich dessen bewusst und manche laufen davor weg,  das ändert aber nichts an der Tatsache dass Teens nicht nur dem beim leben zusehen, der sich dazu bereit fühlt.
Und das ist nichts,  wovor man Angst haben muss.

Sei erwachsen.
Und zeig ihnen den Weg dahin.

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