Auf leeren Seelen-Magen

27.6.16



Mir werden dramatische Schicksäle von verschiedenen Charakteren, die sich über Jahre beliefen, mit Hintergrundmusik und eindrucksvollen Bildern in 90 Minuten in meinen Verstand und meine Seele gestopft.
Und manchmal erwischt es mich eiskalt auf leeren Magen.

Dann frage ich mich ernsthaft, ob ich dazu in der Lage bin, so etwas würdevoll und sinnvoll zu verarbeiten.
Muss ich das überhaupt?
Oder habe ich nur wieder unzählige angefangene Gedankengänge mehr?
Und wenn es so ist, ist es gut, viele Gedanken begonnen zu haben?
Werde ich sie irgendwann zu Ende führen?

Oder ist es nur ein Seelenstriptease?
Abgründe von Menschen offen gelegt, die meine Seele nicht hätte sehen sollen, aber meine Emotionen können nicht anders, als zu reagieren. Und es liegt ein Reiz in diesen Reaktionen.
Ist es richtig, mich dem hinzugeben? 

Gewöhne ich mich daran, Abgründe zu romantisieren, als kurze Geschichte mit definiertem Anfang und Ende anzusehen - die mich manchmal sogar auf eine eigenartige Art fasziniert, obwohl sie gegen meine Wertvorstellungen geht?

Stumpfe ich ab?
Ist es jemandes Ziel, mein Denken in eine bestimmte Richtung zu lenken?
Wenn ja, in welche?

Warum beschäftigt es die anderen nicht halb so sehr, was sie gesehen haben?
Übertreibe ich?

Warum empfindet man eine Geschichte über Intrigen, Tod, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Hass und Liebe als Unterhaltung und konsumiert sie, als wären sie guter Kaffe. 

Warum ich diese Fragen stelle?

Mir wurden Schicksäle von verschiedenen Charakteren, die sich über Jahre beliefen, mit Hintergrundmusik und eindrucksvollen Bildern in 90 Minuten in meinen Verstand und meine Seele gestopft.
Und es erwischte mich eiskalt auf meinen leeren Seelen-Magen.

Und um dieses vulgäre Beispiel weiter auszubauen und um ein heiteres Ende zu finden:
Mein Seelen-Magen leidet an Emotions-Verstopfung.

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