Uns ist ein Retter geboren

17.12.15





„Es geht nicht um den Weihnachtsmann“ 
sagen wir und zwängen unseren Opa an Heiligabend in das rot – weiße Kostüm.



„Es geht nicht um den Tannenbaum.“ 
sagen wir, aber wehe, ein Kind kommt ihm zu nah.



„Es geht nicht um Geschenke.“ 
sagen wir den Kindern, bevor sie mit eben diesen überschüttet werden.



„Es geht um Besinnlichkeit.“  
sagen die Hochbeschäftigten und klagen alle Jahre wieder über Weihnachtsstress.



„Weihnachten ohne Schnee ist kein richtiges Weihnachten.“ 
sagen wir und beachten nicht dass es bei Jesu Geburt auch kein Schnee gab. 
Weihnachten ohne Schnee ist höchstens kein richtiger Winter.



„Weihnachten ohne Schnee, ohne Tannenbaum, ohne Zimtsterne, ohne Rolfzuckowsky-Weihnachtslieder.“ 
 Ist eben kein richtiges Weihnachten.


Wir haben unsere Wintergemütlichkeit mit Weihnachten vermischt. 



„Es geht um das Christkind.“ 
sagen die Minimalreligiösen.



„Es geht um Liebe.“ 
sagen die Maximalreligiösen und die tiefgründigen nicken zustimmend. 



Um Liebe? Welche Liebe? 



Für Gott ist der Ausdruck der Liebe zu ihm Gehorsam.
Feiern wir also das Gehorsamsfest?



Maria trug als Jungfrau Jesus in ihrem Bauch – aus dem höchsten ihrer Gefühle? 
Hatte sie einen Gabentest gemacht und raus kam „Mutter Jesu“? 
Kamen Älteste auf sie zu und fragten, ob sie sich bereit fühlte? 
Sie tat es aus Gehorsam. 
Sollte jemand noch einmal über Überforderung klagen, der schaue sich Maria und Josef an. 
Gottes Sohn groß zu ziehen war definitiv keine emotionale Entscheidung. 
Es war Gehorsam.



Die Hirten sahen Jesus, weil sie den Engeln gehorchten.



Jesus wurde ein Baby in einer Krippe, weil er seinem Vater gehorchte.


Und er lebte in dem Wissen, verraten und gekreuzigt zu werden ganz bestimmt nicht aus verliebtheitsgefühlen. 
Er bat Gott sogar, diesen Kelch an ihm vorbei gehen zu lassen.
Doch er tat es aus Gehorsam.


Wir mit unserer menschlichen Liebe.


Wir streiten, wir trennen uns, wir reden nicht mit unseren Geschwistern, wir beleidigen unsere Kinder, sind respektlos zu unseren Eltern, wir verschmutzen Gottes Schöpfung, ...

Welche Liebe wollen wir also zelebrieren? 



Im Schnee, unterm Tannenbaum, vollgestopft mit in Glitzer eingepackten Geschenken und Weihnachtsgebäck. 



„Liebe ist kein Gefühl“ 
sagen die Gelehrten und die geistliche nicken. 



Niemals werden wir es begreifen.
Wir sind nämlich gar nicht in der Lage, über unsere Gefühle hinaus zu denken. 
Wir nicken auf diesen Satz ja sogar aus einem Gefühl heraus.



Gott weiß das. 

Durch Jesu Geburt wird Gottes Liebe vermenschlicht und Gott hat keinen emotionalen Zugang zu uns ausgelassen.



Baby, 
arm, 
verfolgt, 
geliebt, 
verschmäht, 
verraten, 
gekreuzigt.


Nur damit wir, die wir auf unsere Gefühle beschränkt sind, auch mit unseren Gefühlen verstehen können.




Weihnachten ist also emotional aufgeladen.


Es geht darum, dass Gott unsere emotionalen Bedürfnisse stillt.



„Es ging nicht anders, das war Gottes Plan.“ 
sagen dann die Theologen. 
Und unser Gewissen scheint damit beruhigt.

"Er tat es nicht wegen mir, es ging nicht anders, es gehört zu seinem Plan."
Doch die Bibel zeigt ja im Alten Testament dass es sehr wohl anders ging. 
Es ging ohne Jesu Geburt und Tod. 
Viele mussten sterben und wenige hatten Heil, aber es ging.
Gott hatte keine Probleme dadurch.
Aber Gottes Liebe ist nur selten zu den emotionalen Abgründen von den Ungehorsamen durchgedrungen.


Und jetzt sollte auch jeder Rebellierende Trottel Gottes Liebe ansatzweise verstehen und fühlen können.
Das war Jesu einzige Motivation.



Das ist an Weihnachten passiert. Und wir brechen es auf ein Fest 
der menschlichen Liebe, 
des Tannenbaumes, 
des Weihnachtsmusicals, 
der Plätzchen, 
des Schnees,
 der Geschenke 
und der Familien und Freunde herunter.
(kurz: der Gemütlichkeit)



Wir feiern Winter und unsere Unzulänglichkeit. 
Selten Weihnachten. 



Und auch mich nervt es, immer wieder daran erinnert zu werden dass wir an Weihnachten dazu neigen, gegen Gott zu sündigen, indem wir sein Geburtsfest missbrauchen. 
Und viele mögen denken dass ich übertreibe. 
Aber ich bin der Überzeugung dass man für Gottes Wort nicht übertreiben kann. 
Man kann höchstens falsch liegen. 

Als die Kreuzritter gegen die Muslime in den Krieg zogen und unglaublich viele Menschen töteten, taten sie das nicht, weil sie im Verständnis in Gottes Wort übertrieben haben, sondern weil sie falsch lagen.



Wir als Christen beteuern immer wieder dass wir an Weihnachten Jesu Geburt feiern und trotzdem tritt das so oft in den Hintergrund. 

Ich wüsste nicht einmal, welchen christlich, symbolischen Zweck meine süße geschmückte Zuckerhutfichte erfüllt. 

Ich verstehe nicht einmal was Geschenke damit zu tun haben.
„Gott hat uns das größte Geschenk gemacht und deshalb beschenken wir uns.“ 
What? 
Wo ist da der Sinn? 
Gott macht uns ein Geschenk und anstatt mit unserem ganzen Leben dankbar zu sein, beschenken wir uns gegenseitig? 
Legen dazu einen Höchstbetrag fest, fertigen Listen an, sind unzufrieden mit unseren Geschenken, …
Weil Jesus geboren ist? Sind wir doch mal bitte ehrlich.


An Ostern hat Jesus uns auch ein Geschenk gemacht und zwar ewiges Leben und trotzdem beschenken wir uns nicht.



Was geht hier eigentlich ab?

Tun wir diese Dinge aus der Bedeutung heraus,

oder geben wir den Dingen, die wir tun möchten, eine möglichst plausible Bedeutung? 



Alle Jahre wieder. 
Sündige ich. 
Missbrauche dieses Fest als „Besinnlichkeitsfest“ als „winterliche Gemütlichkeit“ als „Familienfest“



Und weil Jesus in den Hintergrund tritt versuche ich, ihn überall rein zu interpretieren. 


Ich bin nur der Mann, der in den Spiegel schaut, seinen Dreck erkennt, schnell weg sieht und es vergisst. Ich habe es vor dem Vergessen nur noch einmal beim Namen genannt. 



Wenn ich den Satz höre „Gott wurde Mensch“, möchte ich mir keine Winterlandschaft vorstellen. 
 Wenn ich mir die Engel bei den Hirten vorstelle, muss mir bewusst werden, dass es da nicht geschneit hat. 
Wenn ich an Jesus in der Krippe denke, möchte ich nicht an einen freundlichen Esel denken, der daneben steht oder an Maria, die direkt nach einer Entbindung selig lächelnd ihr Baby anbetet.  
Oder an das Jesuskind, dass da schläft und niemals weint.
Ich muss mir auch nochmal durch den Kopf gehen lassen, dass Gott sich den Weisen durch Sternenbilder offenbart hat, obwohl das doch unter Christen so verpöhnt ist. 


„Engel bringen frohe Kunde.“ singen wir. 
Diese Kunde besteht daraus, dass wir Menschen versagt haben und Gott seinen Sohn schicken musste, damit wir das erkennen.



Im Winter ist es bei uns in Deutschland dunkel und kalt, also machen wir das beste daraus indem wir es uns gemütlich machen. 
Schöne Lichterchen aufhängen, Kerzen anzünden, den Tannenbaum schmücken, dekorieren, Plätzchen backen,... 
aber all das hat absolut nichts mit Weihnachten zu tun und diese Tatsache müssen wir uns hinter die Ohren schreiben. 
Und auf die Hände, auf die Füße, meine twegen auch auf den Plätzchengefüllten Bauch.


Wir müssen aufhören, Weihnachten und Winter zu vermischen.

Müssen aufhören, aus der Geschichte von Jesu Geburt eine gemütliche Kindergeschichte zu machen, die wir bei Kerzenschein vorlesen. 
Es war eine dreckige, unangenehme, Menschenlieblose Nacht in der er geboren ist.

Wir müssen aufhören, Jesu Geburt mit aller Macht auf unsere Wintertraditionen zu brechen.



Trennen wir das doch einfach. Da ist der Baum, der Schmuck, die Plätzchen, die Familienfeier, all das ist Winter.

Und über alledem muss Weihnachten statt finden.



Gott liebt Feste.
Im alten Testament hat er für jede Angelegenheit ein Tagelanges Fest verordnet. Er liebt es, wenn wir uns tagelang Zeit nehmen, uns die Bäuche vollschlagen und daran denken, was er für uns getan hat.


Wenn dir ein Tannenbaum dabei hilft, schön.
Wenn dir Kerzen dabei helfen, auch schön.
Wenn dir ein Familienfest dabei hilft, superschön.


Aber auch ohne diese Dinge funktioniert Weihnachten. 



Falls ihr jetzt darauf wartet, dass ich noch zu dem Entschluss komme, dass Weihnachten doch viel mit Gemütlichkeit, Familienfeiern, Lichtern und Besinnlichkeit zu tun hat, werde ich euch enttäuschen. 

Denn das tut es einfach nicht. 



Weihnacht – weih nacht. Geweihte Nacht.


Jesus hat sich uns geweiht, sich uns hingegeben.
Ich will es auf die einzige Art feiern, die möglich ist: ich weihe mich selbst.

Und ich werde mir Gottes Liebe bewusst. 
Denn das wollte er erreichen.
Und ich werde ihm gehorsam sein.



Lasst uns unsere falsche „Weihnachtsstimmung“, die nichts mit Weihnachten zu tun hat, durch eine richtige Weihnachtsstimmung ersetzen. 



Denn uns ist ein Retter geboren. 

Um das zu verstehen, müssen wir einsehen, dass wir Rettung brauchen.
Sonst macht Weihnachten keinen Sinn für uns.




























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