Das Leiden der jungen Frau Dück

26.6.15



Vorwort
Und so saß ich da an diesem Abend, verfallen in kreativer Selbstbemitleidung und fing an, den Vorschlag, meine Gedanken niederzuschreiben, zu überdenken.
Auf jeden Fall ein annehmbarer Weg, mein Mitteilungsbedürfnis zu stillen, dachte ich. Vielleicht ein Projekt das ich anfange und zu Ende bringe, das soll ja bekanntlich eine heilende Wirkung haben. Aber was, wenn ich es nicht zu Ende bringe? Soll ich es mir mit aller Kraft vornehmen?
Es ist der 30.Dezember 2013, es wäre ein guter Vorsatz für das nächste Jahr.
Ich bilde mir außerdem ein, dass ich mit diesem Buch all meine Traurigkeit zuklappen werde.
Aus meinen schlechten Laptop-Boxen erklingt Yann Tiersen und eigentlich, ganz eigentlich, sollte ich doch auf Papier schreiben. Ich habe gehört dass es die kreative Ader fördert.
Auf den folgenden Seiten werdet ihr also mein ach so trauriges Leben bewundern können, viel Freude dabei.


Kapitel 1

Das Ende
Die Laune die sich eben in meiner Seele breit macht ist die selbige, die ich immer zu Ende des Monats verspüre. Im Moment ist es auch noch Ende des Jahres, vielleicht verschlimmert diese Tatsache alles. Vielleicht ist es mein Unterbewusstsein das sich gegen ein Ende sträubt. Wie ein Sonntagabend an dem ich in der Straßenbahn sitze, der vergangenen Woche hinterher trauere und mir nur denke: „NEEIIN! SEI NICHT VORBEI!“. Montagmorgen komme ich dann doch ganz gut damit klar, ich bin kein Morgenmuffel. Frohen Mutes gehe ich dann in die nächste Woche. So wird es auch Anfang Januar sein. Aber im Moment ist noch die abgrundtiefe Finsternis in meiner Seele. Ich meine, ich höre französische Musik. Und ich bin nicht einmal zu Hause, ich bin bei meinen Eltern. Bis vorhin dachte ich, ich wäre auch hier zu Hause, immer noch, aber ich bin es nicht mehr. Es ist anders. Es ist noch so ein Ende. Ich bin jetzt ein bisschen erwachsen. Wenn ich dann ganz erwachsen bin ist es wieder ein Anfang und ich bin dann froh, aber im Moment bin ich noch nicht ganz über die Grenze dahin.
Wie dem auch sei. Ich fand es passend, mit dem Ende am Anfang raus zu rücken. Denn ihr müsst euch der Tatsache stellen dass dieses Buch ein Ende haben wird, ihr solltet euch darauf vorbereiten damit ihr nicht danach wie ich im Wohnzimmer eurer Eltern sitzt und ein Buch über euer Leiden schreibt.



Kapitel 2

Die Mitte
Kennt ihr das Gefühl, eure eigene seelische Mitte gefunden zu haben?
Ich nicht.


Kapitel 3

Warum?
Die allseits beliebte Frage nach dem Grund, weshalb man sich so fühlt.
Ich könnte eigentlich so viel machen. Ich kann häkeln, ich könnte tolle Sachen häkeln für die Kinderschar die sich „Nichten und Neffen“ schimpfen. Ich könnte lesen, ich könnte Hörbücher hören, ich könnte Gilmore girls weiter gucken, ich könnte mit irgendjemanden telefonieren, ich könnte irgendetwas Sinnvolles machen.
Aber ich kann auch rumsitzen und mich darin wuseln, warum meine Freunde keine Zeit für mich haben, warum ich so faul bin, warum ich in Augustdorf bin anstatt in.... Bagdad. Warum ich mir meine Haare abgeschnitten habe, warum ich heute so viel gegessen habe, warum ich hier sitze anstatt zu häkeln.
Und vor allem frage ich mich: Warum ist die Welt nur so ungerecht zu mir? Mir wurde ein langweiliges Leben gegeben und meine Mitmenschen, die, die daran Schuld sind, gehen stur an mir vorbei. Ich war noch nie ein optimistischer Mensch, wie denn auch? Mein Umfeld ist doch wirklich nicht ganz das eines Optimisten. Ich habe Urlaub, sitze bei meinen Eltern und keiner, wirklich keiner hat Zeit für mich. Ich fühl' mich wieder wie damals, als ich vier war. Ein Malbuch und drei Buntstifte in der Hand, ohne eigenes Zimmer suchte ich nach einen Ort zum anmalen. Ging in das Zimmer meiner Schwestern, die ich bei ihren Hausaufgaben störte und deshalb prompt vor die Tür gesetzt wurde. Schon damals musste ich das Leid erkennen. Ich weinte so laut ich konnte, ich bin immer noch der festen Überzeugung dass ich sehr mitleidserregend aussah, weil meine Schwester lachte. Und sie lacht immer wenn irgendetwas Schlimmes passiert. Zum Beispiel damals, als ich meinen Zeh im Freibad blutig gekratzt hatte und wie den Bademeister suchten. Ich weinte, sie lachte. Die Nacht darauf träumte ich das Krieg war und die Soldaten uns abholten und uns töten wollten. Meine Schwester lachte. So saß ich also da und weinte, meine Schwester lachte und ich erkannte das Leid in meiner Situation. Ein kleiner Haufen Elend dass nicht schreiben und nicht lesen konnte. Ich wollte ja auch gerne Hausaufgaben machen, aber ich konnte nur anmalen und ich hatte nur die drei Stifte die mir gefielen und so saß ich da auf dem Boden mit besagten Stiften und vergoss bitterliche Tränen. Und meine Schwester lachte. „Ich wollte doch nur anmalen.“ Schluchzte ich um mein traurigen Anblick zu vollenden.
Noch heute steigen mir die Tränen in die Augen wenn ich daran denke. Traurige Geschichte.
Und genauso fühle ich mich heute. Hier sitze ich mit meinen 3 Wünschen. Ich möchte Freunde die wirklich jeden Abend Zeit für mich haben, eine Familie wie damals, wo wir alle zu Hause wohnten und jeden Abend einen Spieleabend hatten und genug Disziplin, mich alleine beschäftigen zu können. So sitze ich da, niemanden interessieren meine Wünsche, keiner hilft mir sie umzusetzen und sie haben die Tür hinter mir verschlossen. So sitze ich da und weine bitterlich. Nein, ich weine nicht wirklich, aber stellen wir es uns einmal so vor. Trauriger Anblick, nicht wahr? Ich bin mir sicher, meine Schwester würde lachen. Das zeigt, wie schlimm es um mich steht. Und ich frage mich nur: Warum?


Kapitel 3

Sahnehäubchen
Es gibt immer noch ein Tüpfelchen, das das Leiden erst so richtig vollendet. Der die ganze Situation abrundet.
Heute ist es so, dass ich mittags Knoblauchwurst gegessen habe. Meine Lippen brennen und keine Schicht Labello hilft.
Einmal hatte ich einen so schrecklichen Sonnenbrand dass ich wirklich große Blasen an meinen Schultern hatte. Als mein Leiden begann, fingen sie an zu eitern. Ich saß den ganzen Tag mit nassen Handtüchern auf den Schultern in meinem Zimmer und keiner wollte in meine Nähe. Eiter stinkt.
Ein anderes Mal hatte ich meine beiden Füße verstaucht. Ja beide. Das auch noch beim Putzen, wirklich nicht sehr patriotisch. Da lag ich, ärgerte mich, weinte und der Arzt gab mir Krücken. Bei zwei verstauchten Füßen.
Wieder ein anderes Mal hatte mir jemand vorgeworfen dass ich Schuld daran sei, dass eine Freundschaft zu Ende ging. Ich wusste, ich war nicht Schuld, deshalb konnte ich mich so richtig darin wuseln dass es mir vorgeworfen wurde. Die Menschen sind so ungerecht. Ich habe so viel Besseres verdient.
Ich habe überhaupt viel Besseres verdient. Mir steht doch zu, ein rundum perfektes Leben zu haben. Ich kann erst glücklich sein wenn ich es habe.
Die Sahnehäubchen sind wirklich immer überflüssig, aber sie versüßen immer alles. Und Leiden kann so zuckersüß sein.


Kapitel 4

Eigentlich nicht so schlimm,
denke ich mir kurz. Das weiß ich ja. Man kann aber auch leiden ohne es nötig zu haben. Die Tatsache ist, dass mein Leben das Potential dazu hat, perfekt zu werden. Und es eigentlich schon ist. Ich habe eine wunderbare Riesenfamilie die mich liebt und die unbeschreiblich cool ist. Eltern an deren Liebe ich nie gezweifelt habe. Ich habe Freunde. Und ich meine, so richtige Freunde, die sicher noch meine Freunde sein werden wenn ich dann nicht mehr als 22-jährige sondern als 67 jährige stricken werde. Ich habe die große Macht in meinem Leben, die mein Leben lenkt, weil ich darum bitte. Die Macht, die außerdem Verantwortung für mich übernimmt. Was also sollte mir Sorgen machen, wenn der Welterschaffer persönlich für mich haftet? Nichts. Sagt mein Kopf. Mein Herz auch. Und ich wusel mich in diesem Wissen.
Irgendwann habe ich mir mal vorgenommen, entspannt und sorgelos zu werden. Ich finde, ich habe schon sehr viele Schritte dahin gemacht.
Ja, doch. Es ist eigentlich nicht so schlimm.


Kapitel 5

Wenn ich da nicht wäre
Ich selbst bin noch so weit vom Perfektionismus. Und das meine ich in zweierlei Hinsicht. Erstens bin ich nicht perfekt und zweitens fehlt mir das Streben danach. Ich werfe Menschen Unperfektheit vor. Aber sehr geschickt stelle ich das an indem ich erst meine eigene Unvollkommenheit beschreibe, mich dafür entschuldige um dem Rest der Menschheit den Wind aus den Segeln zu nehmen und lege dann selbst ordentlich los. Nein, die anderen finde ich nicht perfekt. Ich bin toll im Fehler erkennen und mich immer wieder darum zu drehen und zu drehen. Und mir wird schwindelig weil drehen  und wirbeln nur für den Moment Spaß macht, aber danach ist es ein blödes Gefühl. So wie beim Vorwerfen. Und ich weiß es, aber dreh mich immer wieder.
Und es gibt da diese Aussage eines Liedes „Jesus take myself from me, never bring it back again.“ den ich in genau diesen Charakterzügen zu der Macht meines Lebens sage. Und dann doch immer wieder  Fehler mache.
Ja, es wäre perfekt, wenn ich da nicht wäre.


Kapitel 6

In Ordnung
Aber es ist okay so. Von mir wird nicht erwartet dass ich perfekt bin. Ich erwarte vom Leben nicht dass es perfekt ist. Je nachdem wie man „perfekt“ deuten will. Perfekt ist eine Situation, wenn man das beste daraus macht. Und das habe ich vor, aus meinem Leben zu machen. Aus dem Schreibfehler ein Herzchen zu malen. Diese kleinen Details die analog von digital unterscheiden. Die echt von gespielt unterscheiden. Die den Unterschied zwischen Realität und Show ausmachen. Mein Leben ist Realität und da sieht es so aus, dass Klischees fehlen. Es läuft keine passende Hintergrundmusik, in Russland liegt nicht immer Schnee und Helden sterben auch mal einen langweiligen Tot und die Bösen leben glücklich weiter und sind manchmal auch viel hübscher.
Aber das ist in Ordnung so. Nicht nur in Ordnung, es ist gut so. Denn ich weiß nie was kommen kann und meistens kommt es besser als ich erwartet habe. Und das ist in Filmen nun wirklich sehr selten der Fall.



Kapitel 7

Der Anfang
Und wenn ich dann ganz ehrlich zu mir und der Welt bin wird es in meinem Leben kein einziges Ende geben. Nichts wird je zu Ende gehen. Mein Gott hat den Tot überwunden, das Ende alles Endens und deshalb habe ich die Gewissheit, dass nichts zu Ende geht. Auch wenn jede Logik sagt, dass es so ist.
Wenn mein Schokoriegel zu Ende ist, ist das der Anfang, etwas Neues zum Naschen zu suchen.
Wenn die Schule zu Ende ist, ist das der Anfang, etwas Neues zu beginnen.
Wenn geliebte Menschen sterben, ist das der Anfang, zu lernen, ohne diese Menschen zu leben.
Wenn ich sterbe, ist das der Anfang meines Lebens zu den Füßen Jesu. 
Wie gesagt, ich bin kein Morgenmuffel. 
Wie man so schön sagt: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine neue. Man schreibt es in fünf verschiedenen Schriftarten auf ein Vintage-Bild aber begreifen tun es nur sehr wenige. Und auch ich vergesse es an diesen weinerlichen Abenden, an denen ich mich selbst bemitleide. Und ich kann mich sehr gut bemitleiden. Manchmal würde ich gerne einer fremden Person mein ach so schweres Leben schildern und ich bin mir sicher, jeder würde Mitleid mit mir haben. Ich könnte dieser Person aber auch mein Leben in allen Farben schildern und sie wäre neidisch auf mich. Ich weiß halt oft, die gewünschte Atmosphäre aufzubauen.
Niemals ist es zu Ende. Nichts. Es kommt drauf an, wie ich es sehen will. Und ich meine wirklich, wie man es sehen WILL. Denn es ist eine eiskalte Entscheidung, sein Leben lieben zu wollen. Seine gerettete Seele zu lieben, für die dieses Leben auf der Erde nur ein Bruchteil ist.
Ich habe mich entschieden dass meine Seele wunderbar ist. Für Jesus hatte sie genug Wert, für sie zu sterben. Durch ihn ist sie rein. Und auch wenn ich diese Reinheit beflecke, perlt es ab wie auf einer Feuchtigkeitsabweisenden Tischdecke. 
Und ich hab erkannt, dass ich mir nicht selbst im Weg stehe, denn ohne mich könnte ich mir nicht einmal im Weg stehen. Selbst dazu braucht es mich.
Ohne mich geht es nicht.
Ich kann meine Seele lieben weil ich Jesus liebe.
Ich liebe meine Seele und ich liebe mein Leben.
Es ist gut und es ist ein stetiger Anfang.



Kapitel 8
Die Mitte
Natürlich habe ich meine seelische Mitte gefunden.



Kapitel 9

Das letzte Wort
Diese Geschichte ist hier zu Ende.
Ohne sie auf Kapitel 10 aufgerundet zu haben.

Und genau hier ist der Anfang für eine neue Geschichte.

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