Warum ich Jugendarbeit mache


Einleitung

In meiner Gemeinde mache ich jetzt seit knapp über einem Jahr Jugendarbeit mit.
Davor habe ich ungefähr 8 Jahre eine Gruppe von kleinen Menschen betreut, sie waren 9 als ich anfing und 16 als sie in die Jugend kamen – und ich ging mit. Sone richtige Glucke.

Ich rede gerne über unsere Jugend und gerade am Ende der Teenyzeit habe ich vergeblich im Internet nach Frauen gesucht, die über diese Aufgabe schreiben und habe nichts gefunden.
Vielleicht gibt es irgendwo jemanden, der nach einer Frau sucht, die darüber schreibt, wie die Jugendarbeit für sie ist. Und vielleicht findet sie dann diesen und die folgenden Beiträge, denn da werde ich genau das tun. Ganz einfach und unverblümt, so wie ich das sehe und empfinde, ein bisschen Verantwortung für ca. 40 Jugendliche und ihre Jugendzeit zu übernehmen.

Ich kann nur aus meiner Sicht schreiben und dazu werde ich erst ein paar Sachen über mich sagen, damit man ungefähr einordnen kann, was ich zu sagen habe - denn nichts davon ist objektiv betrachtet.

- Ich bin 27,
- arbeite als technische Systemplanerin,
- ledig und zu 0% frustriert darüber (glaubs, oder glaubs nicht),
- ich liebe Jesus,
- nach langem hin und her liebe ich auch meine russlanddeutsche Gemeinde, in der ich auch aufgewachsen bin,
- Ich hab das Grundprogramm von EBTC absolviert,
- ich schaffe gerne eine gemütliche Atmosphäre,
- ich bin faul,
- wenn ich etwas gerne mag, bin ich meistens ziemlich übermotiviert,
- bin meistens ganz entspannt,
- kann aber auch ziemlich cholerisch sein (natürlich immer nur wenn es angebracht ist)
- ich bin viel zu oft und viel zu laut sarkastisch und ironisch (ich kann das aber auch wirklich gut)
- ich liebe Besuch über alles
- ich organisiere viel zu gern,
- ich liebe meine Jugend

Und ich werde (vorerst) vier Beiträge zum Thema Jugendarbeit schreiben. Und die werden diese Überschriften haben:

Warum ich Jugendarbeit mache

(was mich dahin getrieben hat, was mich da hält, was ich von Jugendarbeit halte)

Wie ich Jugendarbeit mache

(Ein paar Überzeugungen, organisatorisches und vielleicht hilfreiches)

Was nervt

(Das wird vermutlich ein Beitrag über meine Unzulänglichkeit, denn das ist das einzige das nervt)

Was motiviert

(und das wird dann vermutlich ein Loblied an Jesus, weil nichts anderes motivieren kann)


Ich werde keine persönlichen Storys aus der Jugend preisgeben, es geht wirklich nur darum, wie das alles für mich als Mitarbeiterin ist, wie ich damit umgehe, wie Jesus mich herausfordert, demütigt, bestätigt und ermutigt.









Warum ich Jugendarbeit mache


Als meine Kinderstundenkinder langsam Teenager wurden, hatte ich noch keinen richtigen Bezug zu ihnen. Jahrelang habe ich mich als Kinderstundenleiterin versucht und irgendwie keinen Anschluss zu den Kids finden können. Ich sprach mit meiner Schwester, mit der ich zusammen die Kinderstunde leitete und sagte ihr, dass ich niemals die Bezugsperson dieser Teens sein könnte, da das einfach nicht zu mir passt. Am nächsten Tag hatten wir Jungschar bei mir zuhause und ein Mädchen kam eine Stunde früher – einfach so. Ich merkte sofort, dass sie mit mir sprechen wollte und dachte, oh man, wie soll das denn werden. Aber ich liebe ja immer, ins kalte Wasser geschmissen zu werden. Also setzte ich mich mit ihr zusammen und wir redeten.

Sie weinte, ich weinte, wir beteten, danach war Jungschar und ich habe das erste mal mit aller Wucht erlebt, was es heißt, wenn Gott mich ganz anders sieht, als ich mich selbst sehe.

Wenn er mich als Werkzeug nutzen möchte, um diese seine geliebten Kinder in meiner Gruppe Liebe zu zeigen. 

Ich habe also all meine Selbsteinschätzung über Bord geworden und Gott gesagt, dass ich nun verstanden habe, dass es nicht um mich als Mitarbeiterin geht, sondern um die Menschen, um die ich mich kümmere. Das ist ein großer Unterschied und hat eine direkte Auswirkung darauf, wie ich mich verhalte, was mich motiviert und was mich nervt.

Wir alle haben Menschen, die Verantwortung für uns übernehmen und wir haben alle Menschen, für die wir Verantwortung übernehmen und ich mache das in Form von Jugendarbeit. Nichts Besonderes, aber für mich weltbewegend.

Als meine Teeny in die Jugend zu gehen drohte, wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mitzugehen. Und alles in mir wollte – und doch dachte ich, das sollte ich nicht tun, sie müssen selbstständig werden und ich bin eine Glucke. Ich habe eine Person meines Beraterkreises gefragt und die sagte „Du hast doch schon den Bezug zu denen, was spricht dagegen?“ Und ich ging mit.

Ich übernehme also ganz bewusst Verantwortung dafür, wie die Jugendzeit der Jugendlichen abläuft.
- Wie werden sie sich an ihre Jugendzeit erinnern?
- Welche Lieder werden sie später nostalgisch stimmen?
- Welche Situationen werden ihnen später irgendwann in die Erinnerung schießen und ihnen Tränen in die Augen treiben, weil es schön war?
- Wird die Zeit sie stark in Jesus machen?
- Werden sie später sagen, dass diese Zeit sie im guten geprägt hat?
- Habe ich sie zu Jesus geführt, oder stand ich ihnen im Weg? (denn ja, das können auch langjährige Christen, die seit 20 Jahren Jugendarbeit machen und tausend Seminare besucht haben)
- Konnte ich ihnen zeigen, was es bedeutet, bei Jesus zuhause zu sein?
 

Die erste Jugendmitarbeiterbesprechung heulte ich den Jungs was vor und ich glaube die wissen bis jetzt nicht, warum ich geheult habe und ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe.
Aber ich wusste, in meiner Entscheidung wusste ich von Anfang an – denn ich kenne mich gut – ich werde so viel falsch machen.
Ich werde meckern wie blöde, werde mich beschweren, werde aufmüpfig sein, werde manipulieren, einschüchtern, kein gutes Vorbild sein, werde ausrasten, und blablabla. – denn das alles bin ich.
Aber ich wusste auch, ganz objektiv betrachtet (haha), dass ich auch Gutes tun werde, dass ich ermutigen werde, Freude austeilen kann, mit den Mädchen auf der Straße tanzen, mit ihnen vor Freude oder in Trauer weinen werde, dass ich die Menschen lieben kann – denn das ist Jesus.
Und warum sollte er das nicht durch mich tun, wo er die Menschen in der Jugend doch liebt?

Es klingt nicht nur so einfach, genau so einfach ist es auch! Genauso einfach sollte jeder Mitarbeiter in der Jugend das nehmen.

Ich möchte meine Arbeit in der Jugend genauso ernst nehmen, wie ich sie nehmen würde, wenn ich in einer anderen Stadt/einem anderen Land leben; und als offizieller Missionar von Spenden leben würde.  
Diese Arbeit, diese Menschen sind nicht weniger wert, nur weil ich in dem Ort bin, wo ich aufgewachsen bin. Man mag meinen, dass sie in meiner Gegend schon genug Angebote haben, aber ich bin der festen Überzeugung, nein, haben sie nicht. Auch wenn meine Jugend eine von 5 in meinem kleinen Dorf ist, ist sie nicht weniger wichtig. Da sind um die 40 Menschen drin und sie sind es wert, ernst genommen zu werden und in sie zu investieren.

Gott will mich nicht gebrauchen, damit ich mich gut fühle oder bestätigt werde (christlich: Segen empfange). 

Gott will mich gebrauchen, um den Menschen in der Jugend seine Liebe zu zeigen.


In diesem Wissen und im Vertrauen darauf, dass Jesus (und auch die Jugend) meine Fehler ertragen und zudecken wird – aus Liebe zu den Jugendlichen - arbeite ich in der Jugend mit.

Natürlich könnte es jeder andere Ort auch sein, aber Jugend hat sich angeboten und ich nehme so gerne das, was sich anbietet, ohne vorher Jahrelang abzuwägen.

Dieses Wissen und Vertrauen ist mir nicht immer gegenwärtig.

 Ich bin erst seit einem Jahr dabei, wollte aber schon bestimmt dreimal ernsthaft aufhören. Weil ich mich wieder nur auf die Seite konzentriert habe, die ich bin. Unzufrieden, genervt und lieblos.

Es ist ein unrealistisches Traumdenken, dass der Glaube irgendwann etwas sein wird, was durch Mark und Bein geht. Jeremia verflucht irgendwo in der Mitte des Buches seine Eltern, dass sie ihn geboren haben, die Welt wäre ohne ihn besser dran. Jesus rang vor seinem Tod. Niemals wird unser Vertrauen unerschütterlich sein, solange wir im Fleisch leben - solange wir Menschen sind. Und ich unterstelle irgendwie jedem, der tut als wäre sein Glaube und sein Vertrauen unerschütterlich, Oberflächlichkeit. Es ist traurig, wenn Christen das Leben in Christus mit einer Leiter vergleichen. Wo man hinaufsteigt und jeder Schritt zurück den Schritt vorwärts hinfällig macht.
Das ist Pharisäer-Denken und früher oder später ist man in diesem falschen Denken so weit, dass man Jesus nicht erkennt, selbst wenn er im Fleisch vor dir steht, weil dein Blick von all deinen Schritten zurück verdeckt, oder von den Schritten vorwärts geblendet ist.

Schritte zurück machen Schritte vorwärts nicht hinfällig - es ist schon falsch, das "Schritte" zu nennen, das ist so einseitig und ein Leben ist alles andere als einseitig.
Die schlechten Taten einfach mal neben den guten stehen lassen, nicht frustriert sein, nicht stolz sein. So ist das nunmal einfach - und Jesus kommt besser damit klar als du.

Ich werde niemals eine bessere Mitarbeiterin in der Jugend. 
In manchen Bereichen werde ich dazulernen und nach drei Jahren doch wieder auf die Nase fallen. In manchen Bereichen werde ich nachlassen und in drei Jahren wieder dazulernen. Ich möchte frei sein von christlichem Ehrgeiz. Besser, heiliger werden. Ich will mein Leben mit Jesus chillen, in seine Ruhe einkehren (nicht erst wenn ich gut bin) und ich will andere mitnehmen.
Meine Seele ist stille im Herrn.

Ich liebe die Stelle in der Bibel, wo Petrus Jesus nach seiner Auferstehung am See sieht und ins Wasser springt, um so schnell wie möglich bei ihm zu sein.
Nachdem er so hart versagt hat. Keine Spur von schlechtem Gewissen - obwohl es doch irgendwie angebracht wäre, oder?
Petrus stockt nicht, als Jesus ihn fragt, ob er ihn liebt, er sagt aus vollem Herzen JA! 
Wie kann er?
Er weiß dass Jesus gnädig ist. Gnädiger, als du selbst je zu deinem besten Freund sein kannst.
Petrus fühlt sich bei Jesus wohler als bei irgendeinem Menschen.

Und dafür bin ich in der Jugend. 

Wenn ich gute Sachen mache, ist das schön und gut, aber das wertvollste was ich zu geben habe, ist, sie sehen zu lassen, wie ich nach meinem Versagen richtig peinlich und übermotiviert ins Wasser springe, um so schnell wie möglich zu Jesus zu schwimmen.
Und wie Jesus am Ufer mit offenen Armen und Frühstück auf mich wartet, er mein zuhause ist - und mich kein Stück peinlich findet.



Und ich weiß, dass Jesus mir glaubt, wenn ich ihm sage,

ja Herr, du weißt dass ich dich liebe

- und deshalb weide ich deine Lämmer.




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