Smartphone Etikette

9.3.17

Die Überschrift klingt total nach „ich habe den Umgang mit meinem Smartphone zu 100% drauf und deshalb erzähle ich euch davon“. Aber ich möchte erst einmal klar stellen: SO IST DAS NICHT. Es ist eher so, dass ich selbst noch total in der Lernphase bin und mir dazu ein paar Regeln aufgestellt habe, die sich eher auf das soziale Leben beziehen.
Ich habe mal nach Smartphone Etikette gegoogelt und nicht wirklich was gefunden, da dachte ich, schreibe ich mal was dazu.

Soziale Netzwerke gibt es schon länger. Soziale Netzwerke in der Hosentasche, die bei jeder Benachrichtigung einen Ton von sich geben, gibt es allerdings noch nicht sehr lange und der Umgang damit muss sich noch in unserer Gesellschaft festigen. Das wird noch einige Jahre brauchen.
Ich bin ein durchaus sozialer Mensch. Ich bin sehr gerne in Gesellschaft und bin sehr sensibel für alles, was Gemeinschaft beeinträchtigt. Sei es schlechtes Licht, unangenehme Umgebung, schlechte Musik oder Ablenkung oder ich selbst.
Zur Rubrik Ablenkung gehört eindeutig das Smartphone. Manchmal ist es sogar bewusste Ablenkung. Wenn man zum Beispiel unangenehmer Stille ausweichen will. Das wirklich traurige daran ist, dass man dann nicht lernt, unangenehme Situationen zu angenehmen Situationen zu drehen, ohne so zu tun als wäre das eben nicht passiert.
Teenager und Kinder fordere ich in meiner Gegenwart oft auf, ihre Handys weg zu legen. Ich finde dass ich das Recht dazu habe und ich finde auch, dass jeder das Recht hat, mich zu bitten, mein Handy weg zu legen (auch wenn ich mich das selbst nicht bei Erwachsenen traue). Wenn in meinem Wohnzimmer 5 Menschen sitzen und alle am Handy sind, habe ich das Gefühl, ich wäre zu langweilig, ich müsste irgendwie bessere Unterhaltung bieten. Und ich bin nicht die einzige die sich so fühlt, wenn das Gegenüber es gerade interessanter findet, Gruppenchats zu durchforsten oder sinnlose Videos anzuschauen. Das ist kein Problem das nur Teens und Kids betrifft. Das betrifft jeden, der nicht feinfühlig dafür ist, wie sich das Gegenüber gerade fühlt und dem es auch nicht wichtig ist, sich auf die Person, die im realen Leben vor einem steht, einzulassen. Der nicht bereit ist, die vielen Eindrücke, die ein Smartphone bietet, der langweiligen Situation unterzuordnen. Und manchmal bin ich diese Person.

Die Ausrede der Teens ist, dass sie etwas mit den Eltern klären müssen und die Ausrede der Erwachsenen ist, irgendetwas anderes ganz wichtiges klären zu müssen. Beides kann durchaus mal der Fall sein und dann ist es auch vollkommen okay, aber dann hat man sich dafür zu entschuldigen, kurz am Smartphone zu sein.


Deutsche lieben es, alles in Punkte eingeteilt zu haben und das werde ich hier tun. Mit einer dummen Überschrift:

„3 Schritte wie du ein sozialer Smartpohne-Besitzer wirst“

1. In Gesellschaft soziale Kontakte übers Handy meiden
Manche sind der Ansicht, das Smartphone sollte in Gesellschaft komplett weg gelassen werden. Einfach weil es der leichtere Weg ist. Und für einige Stunden kann man das durchaus machen. Auch für ganze Wochenenden, in denen man sich nur auf die Menschen um sich konzentrieren möchte, die im realen Leben da sind.
Auf Dauer aber nicht immer machbar und auch kein Muss. Wenn man es drauf hat, kann man das Handy zum Fotos machen und für Musik nutzen, muss aber dann stark genug sein, die anderen Benachrichtigungen zu ignorieren. Und wenn man doch etwas Wichtiges klären muss tritt Punkt 2 in Aktion.

2. Sich entschuldigen wenn man gerade abgelenkt ist
Es kommt vor, dass man etwas klären muss. Dann entschuldigt man sich für paar Minuten und kann dann in Ruhe etwas klären. Die anderen müssen in Kauf nehmen, dass die Person am Handy gerade abwesend ist, denn NIEMALS sollte man von jemandem erwarten, gleichzeitig am Handy zu sein und sich auf die Leute um sich herum konzentrieren zu können. Das ist schlicht und ergreifend unmöglich. Es ist leichter, wenn man sich das chatten wie telefonieren vorstellt. Es ist unhöflich, in einer Gruppe plötzlich zu telefonieren, ohne sich vorher zu entschuldigen. Meistens geht man dazu raus. Ich würde auch niemanden ansprechen, der gerade telefoniert. Genauso sollte es mit Chats (und Sprachnachrichten und Instagram und Facebook und….) sein. Achtet mal darauf, wie schwierig es ist, ein vernünftiges Gespräch aufzubauen wenn eine Person im Raum am Handy ist (auch wenn sie nicht am Gespräch beteiligt ist). Man muss auch immer wieder abwägen ob es gerade wirklich wichtig ist, direkt zu antworten.

3. Niemand muss immer erreichbar sein
Es ist total in Ordnung, auf Nachrichten erst dann zu antworten, wenn man Zeit dafür hat. Auch dann, wenn man sehen kann dass die Nachricht gelesen wurde. Das muss immer beiden Seiten bewusst sein. Es sollte allen Beteiligten klar sein dass man das Recht dazu hat, später zu antworten. Niemand muss direkt antworten, jeder hat das Recht, sich die Antwort durch den Kopf gehen zu lassen und gerade auf aufwühlende Nachrichten in einer ruhigen Minute reagieren zu können. Online sein bedeutet nicht immer, dass man gerade allen antworten kann. Und schon kann man sich so viele Nachrichten sparen. Wie z.B. „Ich antworte später.“ und was viel wichtiger ist – man vermeidet halbherzig formulierte Nachrichten. Und niemand möchte eine Nachricht die nur mit halbem Gehirn geschrieben wurde.

Diese drei Regeln gelten erst einmal allgemein und immer. Das ist keine sinnlose Etikette wie „Die Serviette kommt auf die rechte Seite.“, sondern eine Richtlinie die dabei hilft…
… Menschen zu zeigen, dass sie mir wichtig sind.
… mein eigenes Gehirn zu schützen.
… bestmöglichste Gemeinschaft zu erleben

Gerade wenn man viel unter Menschen ist, ist es oft schwer, sein Handy niemals raus zu holen. Dabei gilt IMMER – „entschuldige dich wenn dein Handy dich ablenkt“ (wie beim Telefonat).
Aber manchmal gibt es bestimmte Menschen, bei denen man sich nicht mehr entschuldigen muss. Das sind dann die Menschen, die sich sicher sind dass man wirklich wichtige Dinge erledigt und nicht einfach nur die Zeit vertreibt (Zeit vertreiben während man unter Menschen ist? Autsch) oder die Menschen, mit denen es okay ist, zwischendurch Zeiten zu haben in denen man durchs Internet surft. Zum Beispiel bei Eltern und Geschwistern. Das sollte aber immer die Ausnahme sein.

Hier gibt es noch einen Zusatzpunkt für die Christen:

4. Kein Handy im Gottesdienst
Und eigentlich ist das Punkt 1 und 2. Da ich bezweifle dass jemand während dem Gottesdienst aufstehen möchte und sich bei dem Prediger und bei den Leuten im Umkreis von 5 Reihen entschuldigen möchte dass er gerade die Gemeinschaft dadurch stören muss, auf Instagram zu surfen, eine unwichtige Nachricht zu beantworten, oder doch tatsächlich ein Spiel zu spielen, könnte man bei Punkt 4 auch einfach schreiben: Kein Smartphone im Gottesdienst. Niemals. Da gibt es nur eine einzige Entschuldigung: Das notieren von Terminen während den Ansagen.





Denn uns entgeht so viel, wenn wir die Zeit mit Menschen nicht dazu nutzen, ganz für sie da zu sein. Mit allen Gehirnzellen, nicht nur mit dem Körper.




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