Als Frau über die Flüchtlinge

11.1.16

Ich bin es so leid dass die Flüchtlingssituation momentan so viel Diskussionen und Unfrieden hervorruft.

Ich bin Menschen leid, die gegen Flüchtlinge (und meistens meint man ja alle Ausländer die unsere Kultur noch nicht zu 100% angenommen haben) hetzen.

Ich bin es leid, davon zu hören, wie Frauen von Flüchtlingen behandelt werden.
Ich selbst hatte 4 Begegnungen mit männlichen Flüchtlingen. Drei, weil ich sie freiwillig mitgenommen habe und die waren höflich und sehr zurückhaltend; und einer, der mich am Bahnhof fragte, ob er mich küssen dürfe. Nachdem ich ihm das  nicht erlaubte, ließ er mich in Ruhe (Nein, er hat nicht nur einmal gefragt). Trotzdem, für einen kurzen Moment hatte ich angesichts des Menschenleeren Bahnhofs Angst. War aber dann beruhigt, da hinter mir ein Tattoo-Studio war aus dem man laute Musik hören konnte und kurz davor hatte ich einen großen, muskulösen Mann eintreten sehen. Zur Not konnte ich also schreien. Witzig, dass ich Angst vor einem Mann hatte und mich gleichzeitig wegen einem anderen Mann sicher fühlte.

Dass die Flüchtlinge ein anderes Verhältnis zum Stellenwert der Frauen haben ist einfach logisch. Dass Situationen wie am Kölner Bahnhof vorkommen war abzusehen.

Es ist eine komplett andere Kultur. Es ist traurig, aber in ihren Heimatländern macht man kein Drama um so eine Situation. Und natürlich, die (/wir) Frauen leiden darunter.

ABER ich bin überzeugt davon, dass diese Abwertung der Frauen den Männern auch nicht gut tut. Ein Mann der eine Frau abwertend behandelt, fühlt sich vielleicht kurzweilig mächtig, aber insgesamt leidet seine Seele darunter und dafür empfinde ich Mitleid.

(Und ich sage das, obwohl es in unserer Gesellschaft als Frau nicht gestattet ist, Verständnis und/oder Mitleid für einen Mann aufzubringen. (Es sei denn, er ist Edward, hat zwar Menschen auf dem Gewissen und lechzt nach Blut, sieht aber gut aus - ihm wird ein Herz zugesprochen, anders als bei realen Männern die mit sich zu kämpfen haben))



Etwas ist mir aufgefallen. Die Frage, wie man mit den Flüchtlingen umgehen möchte, ist eine Frage des Verantwortungsgefühls.

Manche sind bereit, diese Situation zu unterstützen (wobei das bloße Dulden schon als Unterstützung angesehen wird), um den Menschen in Not zu helfen.
Jedenfalls, so lange man selbst keinen Schaden davon trägt.

Was für ein kaputtes Verständnis für Hilfsleistungen.
NATÜRLICH werden wir „Schaden“ davon nehmen.
NATÜRLICH wird unser Geld dafür verwendet und
NATÜRLICH wird es Kulturkonflikte geben.

Du kannst niemandem helfen, ohne etwas dafür zu opfern.


Bin ich für diese Menschen verantwortlich?

Und ich rede jetzt nicht von Deutschland oder Merkel, sondern ich persönlich als Mensch. Bin ich dafür verantwortlich, wie es einem Syrer geht?

Das ist eine grundlegende Frage.
Und jetzt kein „Ja, irgendwie schon, aber….“
Sind wir dafür verantwortlich, auch wenn diese Menschen nicht aus Deutschland, nicht einmal Europa kommen?

Wie können wir in einem Moment Mitleid mit den Menschen im Kriegsgebiet haben, Gebetsnächte veranstalten und ihnen Sicherheit wünschen und uns im Nächsten darüber ärgern, dass die jetzt in unserem Land sind und unser Land das auch noch duldet?

Mitleid ist eine Sache. Ich weine darüber, ohne dass es an meine finanziellen Mittel geht und (vor allem) ohne dass es meine eigene Sicherheit beansprucht.

Global gesehen- bin ich dafür verantwortlich dass diesen Menschen geholfen wird, wenn deren eigene Regierung es nicht tut?

Und WENN ich mich verantwortlich fühle: bin ich bereit, meine Sicherheit dafür stückweise aufzugeben? 

Bin ich bereit, Menschen am Abgrund zu helfen? Die, die mir nicht danken. Die mich nicht korrekt behandeln. Die finstere Seiten haben.
Mich hat noch nie ein fremder Mann gefragt (oder eher gebettelt) ob er mich küssen dürfe, aber diese Frage kam nicht überraschend, da mir bewusst ist dass er aus einer anderen Kultur kommt und dass nicht alle Flüchtlinge liebe, demütige, dankbare Menschen sind. Es sind halt Menschen. Wie ich. Und ich würdige auch nicht alles was ich habe und gehe nur mit wenigen Menschen korrekt um.

„Seit die Flüchtlinge da sind gibt es mehr Diebstähle.“ Ja natürlich gibt es die. Auch davon war auszugehen. Das macht diese Menschen unserer Hilfe nicht weniger würdig.

WER HAT GESAGT DASS MAN NUR GUTEN MENSCHEN HELFEN SOLL?

Dieser Satz: „die sollen mal glücklich sein“, von Menschen, die 890328 Mal mehr Gründe haben, dankbar zu sein und es selbst nicht sind.
Dieser Satz ist ein Produkt unserer Luxus-Gesellschaft. Die im Überfluss lebt und es nicht merkt, da man selbstverständlich davon ausgeht dass das, was wir besitzen nur das mindeste ist. Das, was mir zusteht.
Luxus? Nein. Auch wenn ich zu den oberen 15% gehöre.

Aber DIE, die sollen mal glücklich sein wenn die ein Zelt haben, nachdem ihr Haus gesprengt wurde. Ich hatte halt das Glück (unter Christen dann eher „Segen“ genannt), in Deutschland geboren zu werden. Und die nicht.

Geht es denn um Politik, oder um Menschen? Und ich meine jetzt nicht, um was es unserer Regierung geht, sondern um was es DIR geht. Denn natürlich wird das unserer Politik und unserem Land schaden.

Der Vorfall in Köln kam keinesfalls unerwartet. Damit hätte jeder rechnen können. Wir helfen immerhin keinen geistlich reifen, zu 100% guten Seelen sondern MENSCHEN. Die handeln überraschenderweise MENSCHLICH. Und sie alle stehen in einer frustrierenden, herausfordernden und dramatischen Situation in ihrem Leben. Sie sind weder komplett GUT, noch komplett BÖSE. Es sind Menschen.

Es ist DUMM davon auszugehen, dass diese Menschen sofort unsere Kultur annehmen können/wollen/sollen. Es ist einfach superdumm. Ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein.
Es ist egoistisch und nicht zu Ende gedacht.
Und noch dümmer ist, die Hilfe zurückziehen zu wollen, wenn die nicht so reagieren wie ich es möchte. Das wäre dann eine Dienstleistung, keine Hilfe.

„Es geht doch nicht dass wir Frauen unter der Situation leiden müssen.“ 
Aber natürlich geht das. Es geht sogar nicht anders.

Du kannst niemandem helfen, ohne etwas dafür zu opfern.

In diesem Fall ist es unsere Sicherheit (vor allem für uns Frauen) und unsere Finanzen.

Aber da es in meinem Leben weder um meine Sicherheit, noch um meine Finanzen geht, bin ich bereit, das Risiko einzugehen.

Weil ich mich in dieser Verantwortung sehe.

Und ich treffe diese Entscheidung nicht von ganzem Herzen und schon gar nicht furchtlos. 

Aber mit der tiefen Gewissheit dass sie richtig ist.




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